Ich glaube nur, was ich sehe. Ich sehe nur, was ich glauben will.“

-1964-1979 - -... Kindheit und Jugend am Ende der Welt-

zuletzt aktualisiert am
--11.04.2019-




Willkommen




Biografie




Termine




Downloads




Texte




Links



Gästebuch



Kontakt

liedermaching
(ät)carschti.com


Facebook

YouTube

-© Carsten Kulla 2019-

Schon wieder so'n Bengel

In den späten Abendstunden des Nikolaustags 1964 erblickte ich in einem Kreißsaal der Landesfrauenklinik Wup-pertal das grelle Licht dieser Welt. Meine Ostberliner Oma, die extra zu diesem Anlass angereist war, soll angesichts ihrer Erfahrungen mit meinen beiden älteren Brüdern geäußert haben: „Schon wieder so'n Bengel...“ So zog sie es dann doch vor, lieber wieder in die DDR zurückzukehren, obwohl meine Eltern bereits alles organisiert hatten, damit sie im Westen hätte bleiben können.

Heidschi bum beidschi

Trotzdem wuchs ich wohlbehütet in Sudberg, Wuppertals südlichstem Ortsteil (am Ende der Welt, da wo dieselbe mit einem Bretter-zaun zugenagelt sei, wie man sagte) auf. 1965 wurde ich ordnungsgemäß evangelisch-lutherisch getauft, 1966 der erste Familienurlaub in Vierbuchen im Oberbergischen, an den ich aber keine konkreten Erinnerungen mehr habe, im Unterschied zu unserem zweiten Fami-lienurlaub in Hamburg 1969, bei dem es beim Frühstück im Hotel die Marmelade nicht wie zu Hause aus Marmeladengläsern sondern aus kleinen Plastikverpackungen gab, was ich unglaublich faszinierend fand, ebenso wie, dass es einen Fahrstuhl für Autos gab, mit dem man in den alten Elbtunnel herunterfahren konnte. Meine Brüder waren wohl eher von der offenbar gleichzeitig stattfindenden Mondlan-dung begeitestert, denn sie brachten von dieser Reise jeweils ein Poster, das die Mondoberfläche zeigte, mit nach Hause, das danach für Jahre in ihren Zimmern hing.

Außerdem schaffte sich die Familie (es muss wohl auch etwa zu dieser Zeit gewesen) ihren ersten Plattenspieler an, einen „Mister Hit“ von Telefunken, und wir Kinder durften uns jeweils eine Schallplatte aussuchen, um sie dann auf diesem neuen Wunderwerk der Technik abzuspielen. Ich entschied mich auf Anraten von Mama für die Single (für LPs reichte damals noch nicht das Geld, denn wir hat-ten ja nix) „Heidschi bum beidschi“ von Heintje, denn ich wollte auch so ein braver Junge werden wie dieser junge Niederländer werden, in den offenbar alle älteren Frauen unsterblich verliebt waren.

Rebellion vor dem Ernst des Lebens

Wohlbehütete glückliche Kindheit hin oder her, nachdem ich Ende 1970 meinen sechsten Geburtstag gefeiert hatte, rückte der „Ernst des Lebens“, vor dem die Erwachsenen bei jeder Gelegenheit ehrfürchtig warnten, 1971 immer näher. Eigentlich freute ich mich ja auf die Einschulung, denn dann würde ich nicht nur eine Schultüte voller Süßigkeiten bekommen, sondern endlich auch zu den „Großen“ gehö-ren, aber unterbewusst muss sich wohl auch etwas dagegen gesträubt haben, denn im Mai hatte ich einen Fahrradunfall, und unser grei-ser Hauarzt dianostizierte einen Leistenbruch, so dass ich ins Krankenhaus musste, um zum ersten Mal in meinem Leben operiert zu werden. Das mag dramatisch klingen, und nachdem ich aus der Narkose aufgewacht war, tat die OP-Wunde auch höllisch weh, aber andererseits war ich hinterher auch stolz darauf, schon mal im Krankenhaus gewesen zu sein, und mein bester Freund Frank staunte nicht schlecht, denn obwohl er mir ansonsten in jeder Hinsicht überlegen war, so eine tolle Narbe am Unterbauch hatte selbst er nicht vorzuweisen. Da Krankenhausaufenthalte als offenbar Anerkennung versprachen, setzte ich kurz vor den Sommerferien noch einen
drauf und verschluckte aus Versehen einen Eisennagel, den ich in mein Spuckrohr gesteckt hatte, um ihn beim Ausatmen in der Wand zu versenken, der beim vorherigen Einatmen aber dummerweise in der Speiseröhre (zum Glück nicht in Luftröhre) landete. Zu meiner Ent-täuschung kam ich aber nicht wieder ins Krankenhaus sondern wurde nach dem Röntgen wieder nach Hause geschickt, wo ich tage-lang Watte essen musste und Mutter jeden meiner Scheißhaufen nach diesem verdammten Eisennagel durchsuchte. Nachdem sie dann endlich fündig geworden war, konnten wir in den Sommerferien dann doch noch unseren lange geplanten Familienurlaub in Dersau am Plöner See (Schleswig-Holstein) verbringen.

Blockflötenunterricht aus zwei Weltkriegen

Aller Rebellion zum Trotz wurde ich nach den Sommerferien dennoch eingeschult, und zwar in die Grundschule Sudberg, die nur wenige Schritte vom Elternhaus entfernt. Neben dem eigentlichen Unterricht kam ich dabei auch in den Genuss einer ersten musikalischen Früherziehung durch einen pesionierten Musiklehrer, der uns Kindern nicht nur das Blockflötespielen näher zu bringen, sondern auch unzählige spannende Abenteuergeschichten aus zwei
Weltkriegen, an denen er noch selbst mit Begeisterung teilgenommen hatte.

Verliebt verlobt verheiratet

Vor allem aber lernte ich Sabine kennen, mit der ich mich anfreundete und in den nächsten zwei Jahren fast jeden Nachmittag ver-bringen würde. Wir verliebten uns, verlobten uns und wollten heiraten, wenn wir eines Tages groß waren, und unsere Mitschüler hänsel-ten uns dafür, indem sie uns in der großen Pause auf dem Schulhof „Verliebt verlobt vereiratet!“ hinterher gröhlten, denn in diesem Alter war es ziemlich verpönt, wenn Mädchen und Jungs miteinander spielten. Aber wahrscheinlich beneideten uns die meisten bloß insge-heim um unser Liebesglück (für das wir sie in späteren Jahren dann manchmal ebenso beneiden würden...).

Revolutionscamp in der Schweiz

Erst im Frühjahr 1972 wurden wir erstmals für mehrere Wochen voneinander getrennt, weil mich meine Eltern in eine Kindererho-lungskur nach Muggendorf (Fränkische Schweiz) schickten. Ähnlich wie bei meinem Krankenhausaufenthalt im Vorjahr, war ich stolz, wieder ein neues Abenteuer erleben zu dürfen, denn welcher 7jährige kann schon in eine fremde Welt eintauchen, ohne dafür von zu Hause ausreißen zu müssen, so wie Tommy und Annika von der Pippi Langstrumpf-LP (ja, inzwischen konnten wir und auch Langspiel-platten leisten!), die mit ihrer Freundin extra „auf die Walz“ gehen mussten, um mal etwas anderes als das wohlbehütete Elternhaus zu erleben? Jedenfalls fand ich dieses fremde Land, diese Schweiz, unglaublich faszinierend. Dieser überlebensgroße Jesus am Kreuz der örtlichen katholischen Kirche, dem das Blut förmlich aus den Eisennägeln an Händen und Füßen spritzte, so etwas (heutzutage wäre es vermutlich ein Fall für den Jugendschutz!) hatte ich in meinem doch eher schlichten protestantischen Wuppertaler Umfeld noch nie ge-sehen. Und Marianne, meine Lieblingserzieherin in diesem Kindererholungsheim brachte uns das revolutionäre Kinderlied „Eine Oma ging spazieren“ bei, das ich dann gleich nach meiner Rückkehr voller Begeisterung in der Schule vorsang – sehr zum Missfallen unserer Klassenlehrerin, die sich daraufhin bei meiner Mutter über mich beschwerte. Diese hatte ohnehin schon ein schlechtes Gewissen, weil sie mich für so lange in die Fremde geschickt hatte, und entschädigte mich für diese offenbar schlimme Zeit (und auch dafür, dass ich deswegen nicht an der Konfirmation meines ältesten Bruders Ralf hatte teilnehmen können), indem sie einen Zoobesuch spendierte, zu dem ich auch meine Verlobte mitnehmen durfte.

Seriendarsteller im Kleinstadtbahnhof

Die zweite längere Trennung von Sabine führte mich erneut in die Schweiz, diesmal aber in die Holsteinische nach Dersau, wo wir auch in diesem Jahr wieder unseren sommerlichen Familienurlaub verbrachten, während meine Verlobte mit ihren Eltern nach Italien ge-fahren war. In der Kreisstadt wurde zu dieser Zeit gerade eine Folge der Fernsehserie „Kleinstadtbahnhof“ mit Heidi Kabel und Gustav Knuth gedreht, und für eine Massenszene wurden Komparsen gesucht, die über eine Pflastersteinauffahrt zum Plöner Schloss hinauflau-fen sollte. Motiviert durch die Aussicht ins Fernsehen zu kommen meldeten wir uns geschlossen als Familie an, und so bekam ich zum ersten Mal in meinem Leben eine fette Gage für eine künstlerische Tatigkeit (20,- DM waren damals ein Vermögen für einen 7jährigen!), und nicht bloß das Missfallen einer empörten Klassenlehrerin. Außerdem hatte diese Aktion den positiven Effekt, dass sich meine Eltern endlich dazu durchrangen, ein Fernsehgerät anzuschaffen, denn bloß mit einem 50er-Jahre-Röhrenradio oder einem modernen Telefun-ken-Plattenspieler konnte man schließlich schlecht seinen ersten TV-Auftritt bewundern. Ich selbst war dann bei der Ausstrahlung etwa für eine Sekunde links oben im Bild zu sehen, was mich auch mächtig stolz machte, aber Serienschauspieler wollte ich danach trotzdem nicht mehr werden, denn für kein Geld der Welt würde ich mich jemals wieder dazu herablassen, gefühlte tausend Mal sinnlos eine Pflla-stersteinauffahrt auf- und abzulaufen, bis die richtige Szene endlich im Kasten war! Dann doch lieber Protestsänger und das Missfallen der Klassenlehrerin auf sich ziehen, die ja ansonsten auch ganz in Ordnung war. Mein Bruder Rainer hatte übrigens eine LP des Protest-sängers Reinhard Mey mit dem Lied „Ankomme Freitag den 13.“, welches mir so gut gefiel, dass ich mir zu Weihnachten sein Doppel-Album „Reinhard Mey live“ wünschte und auch bekam. Wahrscheinlich war dies der erste Grundstein für eine spätere Liedermacher-Kar-riere, jedenfalls hörte ich dieses Album in den folgenden Jahren rauf und runter, es ist für mich bis heute sozusagen die Vorlage, wie sich ein gelungenes Liedermacher-Konzert aufbaut.

Vom Verlobten zum Fußballfan

Alles lief zunächst weiter wie gehabt – bis zu jenem denkwürdigen 23. Juni 1973, als das Pokalfinale Köln gegen Gladbach im Fernse-hen übertragen wurde, das erste Fußballspiel überhaupt, an das ich mich bewusst erinnere. Gladbach-Star Günter Netzer hatte kurz vor der Partie seinen Wechsel zu Real Madrid bekanntgegeben, und Trainer Hennes Weisweiler hatte ihn deswegen zur Strafe auf die Er-satzbank verbannt. Als es nach 90 Minuten noch immer 1:1 stand und in die Verlängerung ging, wechselte sich Netzer selbst ein und er-zielte kurz darauf das entscheidende Tor zum 2:1, das Gladbach zum Pokalsieg verhalf. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt natürlich noch kei-nerlei Ahnung von diesen Hintergründen, aber ich spürte, dass ich da gerade einem ganz besonderen Moment der Geschichte beige-wohnt hatte, und so wurde ich ab diesem Tag im Alter von 8 Jahren zum Gladbach-Fan. Aus der Stadtbücherei lieh ich mir dann ein Fuß-ballbuch über meinen neuen Lieblingsverein aus und erfuhr, dass Gladbach gar kein Stadtteil von München war (so wie etwa dieses Bay-ern, dem damals einzigen ernstzunehmenden Bundeliga-Rivalen der Gladbacher), sondern dass es tatsächlich eine Stadt namens Mön-chengladbach gab. Jedenfalls war ich jetzt Fußballfan und verbrachte nach den Sommerferien deutlich mehr Zeit mit meinem neuen be-sten Freund Thomas auf dem Sudberger Sportplatz als mit Sabine, und als ich im November den Einladungsbrief zu ihrer Geburtstags-feier einfach zerriss, weil an dem Tag ein wichtiges Klassenspiel (gegen wen eigentlich?) anstand, war meine erste Liebesbeziehung be-reits im Alter von 8 Jahren endgültig beendet.

Karriereplanung

Ich kompensierte den Verlust, indem ich mit Thomas plante, in Sudberg einen neuen Fußballverein zu gründen und mit einer ambitio-nierten Jugendmannschaft (in der wir beide natürlich die wichtigsten Führungsspieler waren) zunächst den lokalen Konkurrenzclub SSV Sudberg, danach den Wuppertaler SV (damals immerhin in der Bundesliga und UEFA-Cup-Teilnehmer) und schließlich Bayern München, die deutsche Nationalmannschaft, die Europa- und zur Krönung am Ende dann auch noch die Weltauswahl vernichtend zu schlagen – natürlich alles im größten Fußballstadion der Welt, das wir auf der „Platte“, einem Brachgelände mitten im Wald, errichten würden, da wo Thomas' Opa in den 20er Jahren einen Arbeiter-Sportverein gegründet hatte der dann in den 30er Jahren leider von den Nazis aufgelöst worden war.

Unsere Pläne gingen zwar nicht gleich in Erfüllung, aber als Deutschland bei der WM 1974 in eigenen Land bereits in der Vorrunde 0:1 gegen den Angstgegner DDR verlor, nachdem Günter Netzer in der 69. Minute eingewechselt worden war und ein Jürgen Sparwasser in der 77. Minute den Siegtreffer für den Klassenfeind hatte, waren Thomas und ich uns einig, dass der damalige Bundestrainer Helmut Schön durch uns beide ersetzt werden müsse. Als unser Team dann aber im Finale 2:1 gegen Holland gewann und wir Weltmeister wur-den, waren wir wieder halbwegs versöhnt, zumal sich Helmut Schön unserer fachlichen Meinung angeschlossen und Günter Netzer auf der Bank gelassen hatte. Ich persönlich als Gladbach-Fan konnte danach sogar den Bayern etwas abgewinnen, nicht nur, weil Bayern-Mittelstürmer Gerd Müller den entscheidenden Treffer erzielt hatte, sondern auch, weil ich während unseres anschließenden Familienur-laubs im oberbayerischen Rimsting (Chiemsee) begeistert feststellte, dass man dort selbst in den Dörfern schon auf Rasenplätzen Fuß-ball spielte und dabei Tore aus runden Aluminium-Pfosten verwendete, ganz im Gegensatz zu dem Sudberger Fußballplatz mit den Toren aus eckigen Holzpfosten, von dem ich an Regentagen regelmäßig kiloweise verklebte rote Asche mit nach Hause brachte, wovon sich meine Mutter alles andere als begeistert zeigte und auch nach diesem Urlaub weiterhin strikt dagegen war, mir zu erlauben, in einem Ver-ein Fußball zu spielen, weil ich dann hinterher noch mehr Dreck mit nach Hause brächte, den sie dann wegmachen müsse. Immerhin er-kannte sie aber meine Fußballbegeisterung an und erzählte stolz überall im Verwandten- und Bekanntenkreis herum, ich habe während des Urlaubs im Schlaf den kompletten Kader der Weltmeister-Mannschaft aufgezählt.

Bundesligaabstieg

Ob aus schlechtem Gewissen oder weil im Sommer mein Wechsel aufs Gymnasium anstand und ich endlich selbständiger werden sollte erlaubte mir meine Mutter ab dem Frühjahr 1975 dann Dinge, die vorher undenkbar gewesen wären. Im Mai durfte ich zusammen mit meinem neuen besten Freund Andreas (ohne Begleitung Erwachsener!) mein erstes Bundesligaspiel besuchen. Der Wuppertaler SV (der bereits als Absteiger feststand) traf im drittletzten Heimspiel der Saison im Stadion am Zoo auf Werder Bremen mit dem WM-Teil-nehmer Horst-Dieter Höttges, dem späteren Nationaltorhüter Dieter Burdenski, dem späteren Schalke-Manager Rudi Assauer, dem spä-teren Bundesliga-Trainer Jürgen Röber und Jürgen Görts, der wie aus dem Wuppertaler Stadtteil Cronenberg (zu dem auch Sudberg gehört) stammte. Der WSV verlor zwar 2:4, aber drei Wochen später im zweitletzten Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt mit den beiden Weltmeistern Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein setzte es dank einer furiosen Aufholjagd und Andreas' und meiner Anwesenheit nur noch eine 2:3-Niederlage für den WSV, und im allerletzten Bundesligaspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern (trainiert von dem Wup-pertaler Erich Ribbeck) mit dem schwedischen WM-Teilnehmer und Weltklasse-Torhüter Ronny Hellström erreichten wir schließlich so-gar ein 3:3 und damit den letzten Punkt in der Bundesliga-Geschichte des Wuppertaler SV. In den Sommerferien, in denen wir erneut an den Chiemsee führen, erlaubte mir meine Mutter bei einem Tagesausflug nach Salzburg dann sogar meinen ersten Alkoholexzess. An-lässlich des 16. Geburtstags meines Bruders Rainer kehrten wir in ein Restaurant ein, und alle bekamen beim Mittagessen zur Feier des Tages ein Glas Weisswein, auch ich, der ich gerade mal 10 Jahre alt war. Der anschließende Aufstieg zur Burg fiel erstaunlich leicht, der unvermeidlichliche Abstieg danach bereitete mir dagegen heftigste Kopfschmerzen, aber trotz dieser höllischen Qualen war ich mächtig stolz und fühlte mich meiner Zeit weit voraus, denn mein Freund Andreas würde solche Exzesse sicher erst Jahre später bei heimlichen Berentzen-Appel-Orgien im elterlichen Party-Keller erleben dürfen.

Aufstieg aufs Gymnasium

Nach den Sommerferien wechselte ich aufs Gymnasium Süd, das sich zusammen mit Real- und Hauptschule in einem riesigen Neu-bau aus Beton befand, der sich Schulzentrum Süd nannte und erst mit Beginn des Schuljahres eröffnet worden war. Wir waren begei-stert von dem moderen Gebäude und streunten, wann immer wir konnten, durch dieses scheinbar unendliche Labyrinth aus Fluren mit Teppichbodenbelag, machten uns einen Sport daraus, uns nicht von dem strengen Direktor der Realschule erwischen zu lassen, der kei-ne Gymnasiasten in seinem Terretorium dultete und immer hinter irgendeiner Ecke lauern konnte, um die Dequenten dann fürchterlich anzubrüllen. Außerdem waren die Türen zu den Flachdächern des Schulzentrums anfangs noch nicht abgeschlossen, so dass wir uns auch immerwieder gerne auf dieses besonders verbotene Terrain wagten. Als uns einer der Hausmeister dabei erwischt und sich bei Mr. Parkes, unserem Klassenlehrer, über uns beschwert hatte, brüllte dieser in feinstem Oxford-English „DON'T GO ON THE ROOF!!!“, be-vor er auf einen Tisch sprang und weiterbrüllte „I'M JUMPING ON A TABLE!!!“. Mr. Parkes war ein junger Austauschlehrer aus England, der immer korrekt gekleidet im Anzug mit Krawatte zum Unterricht erschien, über einen sehr eigenwilligen Humor verfügte und uns im-mer wieder gern zum Lachten brachte. Besonders in Erinnerung ist mir der Anblick geblieben, wie es ihm gelang, seine 2 Meter Körper-länge in dem Mini Cooper unterzubringen, den er von der Insel mitgebracht hatte.

The Broken Legs

Außerdem hatte mein Wechsel aufs Gymnasium auch den positiven Effekt, dass ich endlich nicht mehr Blockflöte (dieses verhasste Grundschulkinderinstrument) lernen musste, sondern aufs Akkordeon umsteigen durfte, das ich von meinem Bruder Rainer (inzwischen Oberstufenschüler) übernahm, der das Interesse an diesem Instrument inzwischen verloren hatte. Auch wenn ich weiterhin den Musikun-terricht dieses Weltkriegsveteranen über mich ergehen lassen musste, war ich trotzdem hochmotiviert und gründete zusammen mit ein paar Klassenkameraden meine erste Band, der wir angesichts unserer ersten Englisch-Kenntnisse den Namen „The Broken Legs“ ga-ben. Unser erster (und einziger) Auftritt bei der Klassenfete an Rosenmontag 1976 wurde ein fulminanter Erfolg. Unser selbst(um)getex-teter Song „Die Lehrer rasen durch den Wald“ brachte nicht nur unseren Klassenlehrer Mr. Parkes (der den Text, in dem wir uns u. a. auch über ihn lustig machten, möglicherweise gar nicht wirklich verstand) zum Lachen, sondern mir persönlich auch wieder den ersten Zungenkuß seit Jahren (mit Sabine, meiner Ex-Verlobten) ein, und ich fühlte mich ein Popstar, denn hier auf dem Gymnasium war es auf einmal gar nicht mehr so verpönt, wenn sich als Jungs mit Mädchen abzugeben, und für mich persönlich noch weniger verpönt, wenn sich Mädchen mit Jungs wie mir abgaben.

Alkoholexzesse und die Einsamkeit des Popstars

Beim sommerlichen Familienurlaub in französischen La Baule kam es dann zu meinem zweiten Alkoholexzess. Mein Vater, der mir eine Flasche Apfelsaft kaufen wollte, aber kein französisch konnte, hatte mir aus dem Supermarkt eine Flasche Cidre mitgebracht, weil auf dem Etikett ein wunschöner roter Apfel abgebildet war. Das Zeug schmeckte zwar ein wenig ungewöhnlich, ich wunderte mich über die Kohlensäure und das Aroma, das mich an Papas Bier erinnerte, an dem ich manchmal heimlich genippt hatte, aber ich fand dieses Gesöff trotzdem äußerst lecker und trank die ganze Flasche noch am selben Abend leer. Am nächsten Tag gegen Mittag lag ich immer noch schlafend im Bett, bis ich davon wach wurde, wie meine Mutter ihrem Gatten lautstark vorhielt, den Jungen mit Alkohol abgefüllt zu haben. Als sie jedoch bemerkte, dass ich aufgewacht war, dämpfte sie ihre Lautstärke, und beide Eltern waren sichtlich erleichtert, dass ich noch lebte. Mir selbst ging es ausgesprochen gut, denn ich hatte endlich mal ausschlafen können, und im Gegensatz zum Vorjahr hatte ich dieses Mal auch keinerlei Kopfschmerzen.

Größere Kopfschmerzen bereitete mir allerdings die Tatsache, dass sich die meisten Mädchen aus meiner Klasse dennoch nicht be-sonders für mich interessierten (erfolgreicher Bandauftritt hin oder her), sondern eher für unerreichbare Teenie-Idole aus der Bravo wie die Bay City Rollers oder so. Einzig Lisa, das schönste Mädchen in unserer Klasse, in die wir alle heimlich verknallt waren, schenkte mir ein wenig Aufmerksamkeit, weil ich mich (aufgrund der Plattensammlungen meiner großen Brüder) als Beatles-Fan zu erkennen gege-ben hatte und ihr Vater ebenfalls Fan der vier Liverpooler Pilzköpfe war. Doch auch sie war eher in die attraktiveren und schöneren Jungs in unserer Klasse (zu denen ich leider nicht gehörte) verliebt, und irgendwann zog sie mit ihren Eltern dann auch in eine andere Stadt.

Ich verbrachte meine Zeit hauptsächlich mit Klassenkameraden, für die sich die Mädchen ganauso wenig interessierten wie für mich, z. B. mit Jakob, der im Wald geschützte Amphibien wie Erdkröten oder Feuersalamander einsammelte, um sie artgerecht in im Terrarium seines Kinderzimmers zu halten, oder mit Achim, der ein noch skurrileres Hobby hatte und mir immer seine Ulrich Roski-Kassetten vor-spielte. Mein Grundschulfreund Andreas hatte sich dagegen einer Clique von Mitschülern angeschlossen, die zwar auch nicht unbedingt aus den absoluten Sportskanonen bestand, deren Mitglieder bei den Mädchen aber weitaus beliebter waren als Jakob, Achim oder ich, was wohl auch daran lag, dass der Anführer (Sohn eines hoch angesehenen Pastors) über eine natürliche Autorität verfügte, die er offen-bar von seinem Vater geerbt hatte, und der alles dafür tat, nicht als braver, angepasster Pastorensohn abgestempelt zu werden.

Abstieg in die Kriminalität

Da er mich irgendwie zu mögen schien, schloss ich mich im Frühjahr 1977 ebenfalls seiner Clique an, in der es Andreas inzwischen zu einer Art Stellvertreter des Chefs hochgedient hatte. Dieser war der Meinung, es sei besonders cool, nicht nur verbotene Dinge wie Lehrerverarschung oder Zungeküsse in der Öffentlichkeit zu tun, sondern sich auch mal was zu wagen, wofür Erwachsene im Gefängnis landeten. Meinen Einwand, ich wolle aber nicht in den Knast, bügelte er mit dem Hinweis ab, wir als 12jährige seien ja noch nicht straf-mündig, womit er natürlich vollkommen recht hatte. So wurde es dann unser Sport, durch die örtlichen Geschäfte zu gehen und mög-lichst originelle Denke mitgehen zu lassen. Für einen Käfer aus Schokolade, den ich im Süßwarenladen erbeutet hatte, bekam ich z. B. ein größeres Lob vom Boss an andere für profane Schokoriegel wie Mars oder Snickers. Meinen spektaktulärsten Erfolg, die Single „Tar-zan ist wieder da“, konnte ich allerdings nicht mehr wirklich genießen, weil wir (Andreas und ich) kurz, nachdem es mir gelungen war, die Platte im Kaufhaus unter meiner Jacke verschwinden zu lassen, im Supermarkt vom Ladendetektiv erwischt wurden.

Da wir erst 12 und noch nicht strafmündig waren, verzichtete er darauf, die Polizei zu verständigen und Anzeige zu erstatten, sondern bestellte lediglich unsere Eltern ein. Meiner Mutter, die mich dann dort abholte und mit mir durch sämtliche Läden zog, in denen ich zuvor geklaut hatte, um den Schaden zu begleichen und von mir verlangte, mich jeweils zu entschuldigen, war das ganze mindestens so pein-lich wie mir, und als wir schließlich zu Hause angekommen waren, rechtete ich mit der Tracht Prügel meines Lebens, die ich in meinen Augen jetzt ja auch mehr als verdient gehabt hätte. Sie fragte zwar: „Was soll ich bloß mit dir machen? Soll ich dich etwa verhauen?“, aber sie war wohl froh, als ich eingeschüchtert den Kopf schüttelte. Auch meinem Vater, der gerade von der Arbeit gekommen war, fiel nichts anderes ein als die hillose Frage „Warum hast du das bloß gemacht, mein Junge?“. Die schlimmste Strafe in dem Moment war für mich wohl diese Ratlosigkeit meiner Eltern, die sich fragten, was sie bei meiner Erziehung wohl falsch gemacht haben könnten, dass ihr Jüngster zum Verbrecher geworden war.

Resozialisierung

Einen ihrer Fehler bei meiner Erziehung erkannte meine Mutter wohl darin, dass sie sich all die Jahre standhaft ge-weigert hatte, mir zu erlauben, in einen Fußballverein zu spielen, denn als ein engagierter Funktionär der Jugendabtei-lung des SSV 07 Sudberg von Haustür zu Haustier, um junge Talente anzuwerben, schien sie ihre Meinung komplett geändert zu haben und meldete mich spontan in dem Club an – mit dem Hinweis, Sport sei ja schließlich gesund und habe schließlich noch niemandem geschadet.

Während unseres sommerlichen Familienurlaubs in Cuxhaven lernte ich dann Nicole kennen, das erste Mädchen seit langem, das sich wirklich für mich interessierte. Sie kam aus Lippstadt und war mit ihrer Familie in derselben Pension untergebracht wie wir. Auch wenn sie drei Jahre jünger war als ich, hatten wir uns auf Anhieb ineinander verknallt und verbrachten den größten Teil des Urlaubs zu zweit auf dem Minigolfplatz oder im Wellenbad. Meine Eltern freuten sich über mein Liebesglück und erlaubten mir, sie in den Herbstferi-en in Lippstadt zu besuchen (meine erste Zugfahrt ohne Erwachsenenbegleitung), und auch ihre Eltern waren einverstanden, ließen mich sogar mit ihr in ihrem Kinderzimmer übernachten. In den Osterferien des folgenden Jahres besuchte mich Nicole dann auch noch einmal bei uns zu Hause in Wuppertal, bevor unsere Fernbeziehung dann trotz zahlreicher Briefe nach und nach einschlief.

Außerdem hatte mich mein Vater – sicher ist sicher – in seinem Schachverein angemeldet, wo neben ihm selbst auch bereits meine beiden älteren Brüder spielten. Die Schachfreunde Vonkeln 1931 schienen mir seiner Ansicht nach wohl mehr Erfolgserlebnisse zu versprechen, um mich vor einer drohenden kriminellen Karriere zu bewahren, als dieser Fußballverein. Er sollte recht behalten, denn als Linksaußen (Stürmer!) der Sudberger C2-Jugend erzielte ich kein einziges Tor und wurde meistens vorzeitig ausgewechselt, wenn ich denn überhaupt eingewechselt wurde.

Im Schach wurde ich dagegen 1978 immerhin Wuppertaler Vize-Stadtmeister in der Schülerklasse und konnte auch sonst einige Erfolge feiern. Die Mädchen aus meiner Schulklasse fanden das auch irgendwie cool, aber sie verknallten sich dann doch trotzdem in die Jungs, die in „richtigen“ Sportarten erfolgreich waren.

Wiedergeburt und Erwachsenentaufe

So hatte ich immer noch keine feste Freundin, als ich im Mai 1979 konfirmiert damit nach protestantischem Ver-ständnis in die Gemeinschaft der Erwachsenen aufgenommen wurde. Da ich meine Freizeit überwiegend im Schach-verein und es dort kaum Mädchen gab, in die ich mich hätte verlieben können, schlug mir Peter, mein Mitspieler und inzwischen bester Freund, nach den Sommerferien vor, ihn nach dem samtäglichen Training doch mal in die baptisti-sche Jugendgruppe zu begleiten, die er seit einiger Zeit besuchte, da gebe es jede Menge netter Mädchen.

Ich wusste zwar nicht so ganau, was Baptisten waren, aber ich willigte ein und fühlte mich von Anfang an wohl, denn der junge enga-gierte Pastor, der selbst erst vor kurzem seine Stelle hier angetreten hatte und diese Jugendgruppe leitete, war ganz anders als als die Pastorin, die mich konfirmiert hatte, eine durchaus nette ältere Dame, die aber nicht wirklich einen Draht zu Kindern und Jugendlichen hatte und bei uns auch keine sonderliche Begeisterung hervorrufen konnte. Und ich war beeindruckt, dass ich mich dort ganz offen mit Gleichaltigen über den Glauben an Gott austauschen konnte, was ich mich im Konfirmandenunterricht, wo es doch eher darum ging, die Pastorin zu verarschen oder sonstwie „Scheiße zu bauen“, nie getraut hätte, obwohl ich auch da schon an religiösen Themen interes-siert war und gerne mal mit jemandem darüber geredet hätte.

Außerdem hatte Peter rechtbehalten, denn es gab tatsächlich jede Menge netter Mädchen in dieser Jugendgruppe. Wie die meisten anderen Jungs dort auch verliebte ich mich spontan in die Tochter des Gemeindeleiters, und auch sie schien mich zu mögen. So ver-brachte ich die nächsten Wochen fast jede freie Minute, in der ich nicht mit Schach beschäftigt war, auf dem Ponyhof, wo sie sich fast jede freie Minute aufhielt, wenn sie nicht gerade mit ihrem Glauben beschäftigt war. Nach dem Sonntagsgottesdienst, den ich inzwischen ebenfalls regelmäßig besuchte (wenn ich keine Schachtermine hatte), nahm mich ihre Mutter zur Brust, und sie machte mir unmissver-ständlich klar, dass ihre Tochter nur mit einem WIEDERGEBORENEN Christen eine Partnerschaft & Ehe eingehen werde, und dass ich bei der am selben Abend stattfindenden Großevangelisation in der Wuppertaler Stadthalle ja Gelegenheit habe, mich zu entscheiden – entweder für JESUS oder eben gegen eine Partnerschaft & Ehe mit ihrer Tochter. So nahm ich am Abend dieses 16. September allen meinen Mut zusammen und ging auf Aufforderung des Predigers nach vorn auf die Bühne der vollbesetzten Stadthalle, um meine Ent-scheidung für JESUS in aller Öffentlichkeit zu bezeugen.

Meine Angebetete war begeistert, sie lobte mich für meinen Mut, und solch eine spektakuläre Bekehrung vor so vielen Leuten in einer vollbesetzten Stadthalle habe schließlich selbst sie als eingeborene Tochter eines baptistischen Gemeindeleiters nicht vorzuweisen. Ob-wohl sie mich unendlich für meinen Schritt bewundere und sogar auch ein Stückchen weit beneide, fühle sie sich aber noch nicht reif ge-nug für einen festen Freund und wolle sich für später aufheben, wenn ihr der Herr eines Tages den Richtigen über den Weg schicke, mit dem sie dann ihr weiteres Leben teilen werde. Zunächst werde sie sich aber erstmal zusammen mit ihren beiden jüngeren Schwestern taufen lassen, was für sie absoluten Vorrang habe.

Ich hatte verstanden. Ich war nicht der Richtige für sie, ebensowenig wie die all die anderen Jungs in unserer Jugendgruppe, die auch in sie verknallt waren und keine Chance bei ihr hatten. Ich hätte das alles jetzt abhaken und mich wieder verstärkt meiner Schachkarriere widmen können, aber stattdessen fasste ich den Entschluss, mich ebenfalls baptistisch taufen zu lassen. Meine Eltern waren, als ich ih-nen meine Entschedung mitteilte und sie vor vollendete Tatsachen stellte, zwar zunächst wenig begeistert, aber ich machte ihnen klar, dass ich mit meinen 14 Jahren bereits religionsmüding war und sie es sowieso nicht verhindern würden können, und die Tatsache, dass Ida, die beste Freundin meiner Großtante aus Jugendtagen und Schwester unserer Nachbarin ebenfalls Mitglied dieser Gemeinde war, überzeugte meine Eltern dann auch davon, dass ich nicht in einer kriminellen Vereinigung oder Sekte gelandet war, sondern lediglich be-gann, meine Pubertät auszuleben. Am Vormittag des 9. Dezember wurde ich dann schließlich baptistisch getauft und Mitglied der Evan-gelisch-Freikirchlichen Gemeinde Wuppertal-Cronenberg. Meine Eltern waren bei der Zeromonie zwar nicht anwesend, aber für den Nachmittag hatte meine Mutter sämtliche Verwandtschaft zu uns nach Hause eingeladen, um bei Kaffee und Kuchen meinen fünfzehn-ten Geburtstag nachzufeiern. Manchmal sagen Gesten mehr aus tausend Worte...

Jedem Ende wohnt ein Anfang inne

Meine Schachkarriere hatte ich beschlossen zu beenden, denn die Mannschaftskämpfe meines Vereins fanden sonntagsmorgens statt, gleichzeitig mit den Gottesdiensten meiner neuen Gemeinde, von denen ich nie wieder einen einzigen verpassen wollte. Meine letz-te Partie bestritt ich im Rahmen der Bezirkmeisterschaft (Schülerklasse) ausgerechnet gegen Bernd Schneider, der im Vorjahr immerhin den 3. Platz bei den Deutschen Meisterschaften (Schülerklasse) belegt hatte und der unbestritten der mit Abstand beste Schachspieler (Schülerklasse) des gesamten Bergischen Landes war. Fast hätte ich gegen ihn gewonnen, weil er ziemlich zu Anfang einen tödlichen Anfängerfehler gemacht hatte, aber weil ich kurz darauf einen noch tödlicheren Anfängerfehler machte, konnte er diese Partie am Ende dann doch noch für sich entscheiden. In früheren Zeiten hätte ich mich maßlos geärgert, aber diesmal nahm ich die Niederlage gelassen und gönnte meinem Kollegen diesen Erfolg, der ja letztlich auch als kleines Mosaiksteinchen dazu beitrug, dass er später Internationaler Meister (kommt gleich hinter Großmeister) wurde.

Statt meiner Schachkarriere widmete ich meinen Ehrgeiz von nun an dem Vorhaben Gitarre spielen zu lernen, denn in unserer Ju-gendgruppe wurde zwar viel und gern gesungen, aber es gab niemanden, der ein Musikinstrument beherrschte, mit dem sich die Lieder halbwegs akzeptabel begleiten ließen. Ich hatte es zwar mal mit meinem Akkordeon versucht, das ich immer noch spielte, obwohl ich schon lange keinen Unterricht hatte, aber das war auch wohl ein eher untauglicher Versuch gewesen. Außerdem war ich nach einem Live-Konzert des Liedermachers Michael Hahn an einem unserer Jugendgruppenabende zu dem Entschluss gekommen, selbst Lieder-macher zu werden, uns dafür musste man nicht nur gute Texte schreiben sondern auch Gitarre spielen können. Mein Bruder Rainer ver-machte mir seine alte Wanderklampfe, an der er ebenso das Interesse verloren hatte wie Jahre zuvor an seinem Akkordeon. Mein Bru-der Ralf (begeisterter Gitarrist) schenkte mir eine Stimmgabel und zeigte mir, die man eine Gitarre damit stimmt. Und meine Eltern kauf-ten mir das Lehrbuch „Der neue Weg zur Gitarre“ (ohne Noten), mit dessen Hilfe ich mit nie gekanntem Ehrgeiz die ersten beiden Griffe erarbeite, mit denen ich dann schon nach kurzer Zeit den Gospelsong „Rock My Soul“ begleiten konnte.


- 1964-1979-
Kindheit und Jugend am Ende der Welt


- 1980-1989-
Revolution im Strickpullover


- 1990-1999-
Sex'n Drugs
& Family


- 2000-2009-
Extreme & Hardcore Liedermaching


- 2010-heute-
Scheitern
& Aufstehen


-Impressum- Carsten Kulla (Cecilienstr. 172, D-12683 Berlin) ist nach § 6 Abs. 2 MDStV für diese Seite verantwortlich. -§§§ - -Haftungsausschluss- Mit Urteil vom 12. Mai 1998 (312 O 85/98: "Haftung für Links") hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass mit Anbringung eines Links die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten sind. Dies kann - so das Landgericht - ausschließlich dadurch verhindert werden, indem man sich von diesen Inhalten ausdrücklich distanziert. Auf dieser Website befinden sich möglicherweise Links zu anderen Websites. Trotz sorgfältiger Auswahl der Verlinkung, besteht keinerlei Einfluss auf die Inhalte, Gestaltung, Funktionsfähigkeit, Fehlerfreiheit oder Rechtmäßigkeit der verlinkten Seiten. Daher wird hierfür keinerlei Verantwortung übernommen. Diese Erklärung gilt für alle auf diesen Seiten angebrachten Links und für die Inhalte aller Seiten, zu denen die angebrachten Links führen. Hiermit distanziere ich, Carsten Kulla, mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten.